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ANDRA NICHITEANU

VIOLA

Persönlicher Lebenslauf

 

Nichiteanu Trio. Nichiteanu. Mein Mädchenname. 

 

Mit diesem Namen verbinde ich alles, was mein musikalisches Leben geprägt hat. Schon mit vier Jahren begann ich den Violinenunterricht bei meinem Vater, Marius Nichiteanu. Er war damals noch Solo-Bratscher am Opernhaus in Nizza und spielte schon zu dieser Zeit leidenschaftlich gerne Kammermusik, besonders Streichtrio und Streichquartett. 

Auch wenn mich die Zeit in Nizza und mein Leben in Deutschland sehr geprägt hat, stamme ich doch aus Rumänien, ein Land voller Leben, voller Musik und Kultur. Mit diesem Kulturellem Leben und seiner Musik fühle ich mich nach wie vor sehr verbunden und Rumänien bleibt mir auch künstlerisch eine Heimat.

 

Wann immer ich mich mit Musik auseinandersetze, schwingt der Einfluss meines Vaters mit. Wegen seines beruflichen Wechsels zum NDR-Sinfonieorchester als Solo-Bratscher, zog ich im Alter von sieben Jahren mit meiner Familie nach Deutschland. Von dem Zeitpunkt an wurde ich mindestens einmal im Monat zu den sinfonischen Konzerten oder zu geselligen Kammermusikabenden bei Käse und Wein mitgenommen. So erlebte ich unbewusst schon früh, welch eine lebensbereichernde Freude und tief empfundene Leidenschaft das Leben mit Musik ausmachen kann. Diese Erinnerungen und Erfahrungen prägen meinen Umgang mit der Musik bis heute maßgeblich.

 

Großen musikalischen Einfluss hatten in meiner Jugend Radboud Oomens (mein erster Geigenlehrer in Deutschland und ehemaliger Geiger im NDR Sinfonieorchester), Florin Paul (Konzertmeister NDR-Elbphilharmonieorchester, mein zweiter Geigenlehrer und der Geiger des 'Trio Inorog' meines Vaters), Professor Winfried Rüssmann (ehem. Erster Konzertmeister der Hamburger Philharmoniker und mein erster Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg) und Radu Lupu (weltbekannter Pianist und enger Freund der Familie).

 

Der Wechsel zur Bratsche war eine Herzensentscheidung. Die Geburt meiner ersten Tochter ließ unbewusst aber doch sehr konkret den Wunsch nach einem Instrument in mir wachsen, das meinem Wesen stärker entspricht. Da lag der Wechsel zur Bratsche nahe. Ihr ruhiger, einschmeichelnder, warmer, der weiblichen Stimme ähnelnder Klang wie auch meine Liebe zur harmonischen Gestaltung in der Mittellage, sowohl in der Kammermusik als auch in orchestralen Werken, machten mir die Entscheidung zum Wechsel sehr leicht.

 

Wenn ich mich mit Musik auseinandersetze, versuche ich mich nicht nur in den Komponisten einzufühlen und zu ergründen, was seine Botschaft ist, sondern beschäftige mich eingehend mit seiner Schaffenszeit. Wie sah sein soziales Umfeld aus? Was durchlebte er in der Zeit des Komponierens? Welche geschichtlichen, gesellschaftlichen, soziologischen und kunstgeschichtlichen Zusammenhänge sog der Komponist bewusst und unbewusst in sich auf, um sie anschließend in seiner Musik widerzuspiegeln? Ich weiß nicht, ob es notwendig ist, sich auf diese Art und Weise mit Musik auseinanderzusetzen, aber mir ermöglicht es subjektiv ein tieferes Erlebnis und mehr Authentizität beim Musizieren.

 

Ich begann mein Studium bei Professor Thomas Selditz, der mittlerweile in Wien an der Hochschule unterrichtet. Thomas brachte mir bei, wie man das, was man sich vorstellt, auch aus dem Instrument heraus bekommt. Besonders seine Ideen und Ansätze zur Klanggestaltung formten meine Bogentechnik vom geigerischen, hellen Klang in einen dunkleren, wärmeren Bratschenklang. Im Hochschulorchester lernte ich den Bratschenschlüssel zu lesen. Eine große Hilfe waren mir dabei meine Begabung zum Blattspielen und mein angeborenes, absolutes Gehör. Großen Einfluss während meines Studiums nahmen außerdem Professor Nobuko Imai, Professor Tabea Zimmermann, Professor Dorin Marc, Roland Greutter und Professor Thomas Brandis. 

 

Seit dem Abschluss meines Studiums begann ich, Erfahrungen in den großen Orchestern Deutschlands zu sammeln. Ganz besonders hervorzuheben ist für mich dabei meine Zeit bei den Münchner Philharmonikern. Ich werde niemals das hoch emotionale Einstandskonzert von Lorin Maazel mit Gustav Mahlers Neunter Symphonie vergessen. An dieser Stelle: Danke, Maestro!

 

Ich hatte außerdem die große Ehre in folgenden Orchestern mitzuspielen: NDR-Elbphilharmonieorchester, hr-Sinfonieorchester, WDR-Sinfonieorchester, Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Hamburger Symphoniker und zuletzt bei den Hamburger Philharmonikern.

 

Während dieser ganzen Zeit reifte in mir der Wunsch nach einem eigenen Ensemble. Nicht von ungefähr kommt meine emotionale Bindung zum Streichtrio, bin ich doch mit dem Klang und fast dem gesamten Repertoire dieser Gattung groß geworden. Ich habe nicht nur das Instrument meines Vaters, eine Girolamo Brensio von 1536 geerbt, sondern auch perfekt eingerichtetes Notenmaterial für Streichtrio, was ein unermesslicher Schatz ist. Ein Schatz des Wissens und der jahrzehntelangen intellektuellen Auseinandersetzung mit der Musik. Durch die Möglichkeit des Rückgriffs auf dieses Notenmaterial bekommt der Name unseres Trios eine noch tiefer gehende Bedeutung.

Kurzvita

 

Andra Heesch, geb. Nichiteanu studierte Violine bei Prof. Winfried Rüssmann und Viola bei Prof. Thomas Selditz an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Meisterkurse besuchte sie bei Prof. Thomas Brandis, Prof. Nobuko Imai und Prof. Tabea Zimmermann. Großer Schwerpunkt ihrer musikalischen Tätigkeit ist die Kammermusik, so spielte sie u.a. beim „Enescu Festival“ in Bukarest, dem Schleswig Holstein Musikfestival mit renommierten Musikern, wie Liviu Prunaru (Konzertmeister Royal Concertgebouw Orchestra), Florin Paul (Konzertmeister NDR-Elbphilharmonieorchester), Prof. Niklas Schmidt (HfMT und Trio-Fontenay).  
Regelmäßige Tourneen führten sie nach Japan, Korea, China, Spanien, Frankreich, Italien, Rumänien, Österreich, in die Schweiz und nach Nord- und Südamerika. Sie spielte in vielen verschiedenen Orchestern, u.a. den Hamburger Symphonikern, den Hamburger Philharmonikern, dem NDR-Elbphilharmonieorchester, dem WDR-Sinfonieorchester, dem hr-Sinfonieorchester, dem BR-Sinfonieorchester und den Münchner Philharmonikern. Andra Heesch spielt eine Viola erbaut von Girolamo Brensio aus dem Jahr 1536.