JOHANNES RAAB

VIOLONCELLO

Persönlicher Lebenslauf

 

Dass ich Cellist geworden bin, ist kein Zufall. Obwohl ich mir zunächst nicht das Instrument gewählt habe, sondern den Lehrer: Edwin Koch, bei dem meine 6 Jahre ältere Schwester bereits Unterricht nahm. Es stand für mich außer Frage: wenn ein Instrument lernen, dann bei dem geduldig-liebevollen ehemaligen Solocellisten des NDR Sinfonieorchesters. Einen besseren Lehrer für mich als Anfänger konnte ich mir nicht denken, und als mit 15 Jahren für mich der Zeitpunkt gekommen schien, den Schritt an die Musikhochschule zu wagen, schmerzte es mich, obwohl ich voller positiver Erwartungen war. Diese wurden weit übertroffen, denn Troels Svane, der Cellist des hervorragenden Kopenhagen Trio, erschloss mir eine neue reiche Welt, meinen Ton zu formen und damit die Musik zu gestalten.
Bei aller Liebe zur Musik, wäre ich sicherlich niemals Cellist geworden, hätte nicht die Energie und den nötigen Willen hierfür aufbringen können, wenn ich nicht kurz vor dem Studium einen Gefährten gefunden hätte, der mich bis heute begleitet, antreibt und inspiriert. Meine Mutter schenkte mir ein seltenes und sehr altes Instrument. Dass ich dessen Klangschönheit und seine unbegrenzt scheinenden Möglichkeiten täglich genießen darf, empfinde ich seit jeher als großes Privileg und diesem Instrument gerecht zu werden als tägliche Verpflichtung.
Während meines Studiums hatte ich das Glück, bei außergewöhnlichen Lehrern wie Peter Bruns (Dresdner Klaviertrio), Friedwart Dittmann, oder Wolfgang Emanuel Schmidt lernen zu dürfen.
Zwei Künstler nehmen in meiner Biografie einen ganz besonderen Stellenwert ein. Zum einen ist Konstantin Heidrich, der Cellist des grandiosen Fauré Klavierquartetts, zu nennen. Er hat mir auf allen Gebieten des Musikerdaseins die entscheidenden Dinge vermittelt. Meine Leidenschaft für die Musik nahm er ernst, ließ sie wachsen, weckte gleichzeitig aber auch die Freude am harten Arbeiten und an der Detailverliebtheit. Er gab mir die nötigen Mittel an die Hand, mich nicht mit dem Erreichten zufrieden geben zu müssen, sondern weiter zu suchen und auch zu finden. Prof. Heidrich bleibt stets der "kleine Mann" in meinem Ohr, der mich beim Musizieren unaufhörlich, hartnäckig, sehr amüsant, in jedem Fall aber höchst wirkungsvoll kommentiert.
Auch Steven Isserlis möchte ich besonders herausstellen. Seine Aufnahmen und Konzerte haben mich so sehr beeinflusst wie es ein Lehrer kaum stärker vermag. Seine musikalische Eleganz, sein Klangideal, der unbedingte, kompromisslose Ausdruckswille und die über all dem stehende Ernsthaftigkeit im Umgang mit der Musik suchen heutzutage ihresgleichen. Diese Attribute sind auch mir in der Musik gleichermaßen die höchsten Ideale, weshalb Isserlis seit meinen Kindertagen ungebrochen mein stärkstes Vorbild bleibt.
Begeistert nahm ich immer wieder an Meisterkursen teil. Auch wenn man bei diesen Kursen nur wenige Unterrichtsstunden bekommt, konnte ich persönlich wesentliche Impulse von vielen der größten Cellisten unserer Zeit aufnehmen. Beispielhaft seien hier die wenigen Stunden mit Bernard Greenhouse, dem Gründungscellisten des unübertroffenen Beaux Arts Trio genannt, die eine unerwartet überwältigende Wirkung auf mich hatten. Als ich ihm das letzte mal vorspielte, fing der schon weit über 90 Jahre alte Casals-Schüler aus heiterem Himmel an, den "Gesang der Vögel" zu spielen, eben jenes katalanische Volkslied, das der unsterbliche Pablo Casals fast in jedem Konzert zugab. Durch den Zeugen Greenhouse war der Geist einer der wichtigsten Cellisten kurz lebendig geworden - ein magischer Moment! Eine direkte, fühlbare Verbindung durch die Zeiten, zu einer Legende, die für das Cello ähnlich wichtig war wie Anton Kraft oder Luigi Boccherini.
Nicht wenige solcher Eindrücke haben mich in diversen Begegnungen mit großen Künstlern geprägt und so, denke ich, näher an das Wesen der Musik herangeführt.
Das Schöne am Beruf des Musikers sind nicht zuletzt die so unfassbar unterschiedlichen Betätigungsfelder: Orchesterspiel, solistisches Konzertieren, Kammermusik oder auch das Lehren - die Möglichkeiten sind gigantisch und für mich ist eine ausgewogene Mischung am befriedigendsten. Auch die verschiedenen Epochen benötigen extrem unterschiedliche Spieltechniken und Wissen um die Stilistik. Mit dem Barockcello, Barockbogen und der Musik dieser Epoche beschäftige ich mich seit langem mit großer Freude. Seit meinem Studium habe ich quasi durchgängig in Orchestern gespielt; sehr viel konnte ich in meinen Jahren in der Staatskapelle Dresden, dem Staatsorchester Kassel oder bei den Hamburger Philharmonikern lernen und erfahren.
Der Wunsch, verstärkt Kammermusik zu machen ergriff schon im Studium auf unwiderstehliche Weise von mir Besitz. Das Miteinander im Trio verkörpert für mich das kammermusikalische Musizieren in seiner befriedigendsten Form. Es ist einerseits existenziell, andererseits muss sich jeder aufs Äußerste solistisch präsentieren. Deshalb ist für mich die Arbeit im Nichiteanu Trio, aber auch in meinem Klaviertrio "Trio Abaton", ganz besonders wichtig.

Kurzvita

 

Johannes Raab wurde 1985 in Leipzig geboren. Seinen ersten Unterricht erhielt er im Alter von sieben Jahren vom ehemaligen Solocellisten des NDR Sinfonieorchesters Hamburg, Edwin Koch.
Mit 15 Jahren wurde er schulbegleitend zum Studium an der Musikhochschule Lübeck in die Klasse von Prof. Troels Svane, dem damaligen Assistenten von Prof. David Geringas, aufgenommen. Anschließend studierte er an der Musikhochschule „Carl-Maria von Weber“ Dresden bei Prof. Konstantin Heidrich (Fauré Klavierquartett), Prof. Peter Bruns und Prof. Wolfgang Emanuel Schmidt.

Darüber hinaus vertiefte er seine Studien bei internationalen Meisterkursen, wie zum Beispiel bei Mstislav Rostropowitsch, Boris Pergamentschikow, Bernard Greenhouse (Beaux Arts Trio), Miklós Perényi, Wolfgang Boettcher, David Geringas, Alban Gerhardt, Jens-Peter Maintz, Stephan Forck und Götz Teutsch.

Er gab zahlreiche Recitals, beispielsweise beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Einblicke in die Aufführungspraxis der Alten Musik, der er mehrere Jahre seines Studiums widmete, erhielt er durch die intensive Arbeit mit Prof. John Holloway (Barockgeige) und Prof. Ludger Rémy (Cembalo). Abgerundet wurde seine Ausbildung als Substitut der Dresdner Philharmoniker und als Stipendiat der Giuseppe-Sinopoli-Akademie der Staatskapelle Dresden.

Seit 2010 führten ihn Engagements als Solocellist von der Anhaltischen Philharmonie Dessau über das Saatsorchester Kassel nach Hamburg, wo er bis 2016 im Philharmonischen Staatsorchester engagiert war. Heute is Johannes Raab ein gefragter Kammermusiker. Mit seinen Trios - Nichiteanu Trio und dem Trio Abaton, aber auch im Kammerorchester Louis Spohr oder der Hamburger Camerata ist er weit über die Grenzen Deutschlands hinaus aktiv. Auch als Pädagoge führten ihn Meisterkurse schon bis nach Südamerika.
Er spielt ein Instrument von Carlo Antonio Testore, Mailand 1741.

 

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